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Podcast Psychoanalyse

TEST Von ottihamburg 12 Min. Lesezeit February 2026

Was genau ist EMDR?

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine psychotherapeutische Methode, die Ende der 1980er Jahre von der amerikanischen Psychologin Francine Shapiro entwickelt wurde. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass bilaterale Stimulation — also die gleichzeitige Anregung beider Gehirnhälften — die Verarbeitung belastender Erinnerungen unterstützen kann.

Im Kern geht es bei EMDR darum, dass traumatische Erlebnisse nicht vollständig verarbeitet im Gehirn gespeichert werden. Diese unverarbeiteten Erinnerungen können durch bestimmte Auslöser reaktiviert werden und führen dann zu den typischen Symptomen einer Traumafolgestörung: Flashbacks, Albträume, emotionale Taubheit oder Übererregbarkeit.

Eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung bildet die Grundlage für EMDR.

Wie läuft eine EMDR-Sitzung ab?

Eine typische EMDR-Sitzung folgt einem strukturierten Ablauf in acht Phasen. Nach einer gründlichen Anamnese und Stabilisierung werden die belastenden Erinnerungen identifiziert und unter bilateraler Stimulation bearbeitet. Die Klientin oder der Klient folgt dabei den Handbewegungen des Therapeuten mit den Augen — oder es werden alternative Formen der bilateralen Stimulation eingesetzt.

Die acht Phasen des EMDR

Das EMDR-Protokoll umfasst acht klar definierte Phasen, die den therapeutischen Prozess strukturieren. Diese Phasen gewährleisten, dass sowohl die Vorbereitung als auch die eigentliche Traumaverarbeitung und die Nachbereitung sorgfältig durchgeführt werden.

In der Vorbereitungsphase wird zunächst eine stabile therapeutische Beziehung aufgebaut. Der Therapeut erklärt den Ablauf und vermittelt Techniken zur Selbstberuhigung, die der Klient bei Bedarf einsetzen kann. Diese Phase ist besonders wichtig, da sie die Grundlage für die weitere Arbeit bildet.

Die Verarbeitung traumatischer Erinnerungen geschieht nicht durch das Vergessen, sondern durch die Integration der Erfahrung in die persönliche Lebensgeschichte.

— Francine Shapiro, Begründerin der EMDR-Methode

In der Bewertungsphase wird die zu bearbeitende Erinnerung genau identifiziert. Dabei werden sowohl die visuellen Aspekte als auch die damit verbundenen negativen Kognitionen, Emotionen und Körperempfindungen erfasst. Diese umfassende Erfassung ermöglicht eine gezielte und wirksame Bearbeitung.

Bilaterale Stimulation aktiviert beide Gehirnhälften und fördert die Verarbeitung.

Warum funktioniert EMDR?

Die genauen Wirkmechanismen von EMDR sind Gegenstand intensiver Forschung. Eine verbreitete Theorie besagt, dass die bilaterale Stimulation ähnliche Prozesse wie im REM-Schlaf auslöst — jener Schlafphase, in der das Gehirn Tageserlebnisse verarbeitet und in das Langzeitgedächtnis integriert. Durch die gezielte Stimulation werden die „eingefrorenen” traumatischen Erinnerungen wieder zugänglich und können neu verarbeitet werden.

Für wen ist EMDR geeignet?

EMDR wurde ursprünglich zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) entwickelt und ist für diese Indikation am besten erforscht. Zahlreiche internationale Leitlinien empfehlen EMDR als eine der Methoden der Wahl bei PTBS.

Darüber hinaus zeigt die Forschung vielversprechende Ergebnisse für weitere Anwendungsbereiche, darunter Angststörungen, Phobien, Trauer, chronische Schmerzen und depressive Erkrankungen. In meiner Praxis setze ich EMDR individuell und in Kombination mit tiefenpsychologischen und gestalttherapeutischen Ansätzen ein.

EMDR lässt sich auch in der Online-Psychotherapie wirksam einsetzen.

EMDR in der Online-Therapie

Eine häufig gestellte Frage ist, ob EMDR auch online durchgeführt werden kann. Die Antwort lautet: Ja. Studien zeigen, dass die Wirksamkeit von EMDR in der Online-Therapie mit der in Präsenzsitzungen vergleichbar ist. Statt der klassischen Handbewegungen werden visuelle oder auditive Stimulationstools eingesetzt, die sich bewährt haben.

EMDR und Tiefenpsychologie — eine sinnvolle Kombination

In meiner Arbeit verbinde ich EMDR mit tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie und Gestalttherapie. Diese Kombination ermöglicht es, nicht nur die akuten Symptome zu bearbeiten, sondern auch die tieferliegenden psychodynamischen Muster zu verstehen, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Problematik beitragen.

Während EMDR sehr gezielt und effizient an einzelnen belastenden Erinnerungen arbeitet, bieten die tiefenpsychologischen und gestalttherapeutischen Methoden einen breiteren Rahmen für Selbsterkenntnis und persönliches Wachstum. So entsteht ein ganzheitlicher Therapieansatz, der sowohl symptomorientiert als auch verstehend arbeitet.

Möchten Sie mehr über EMDR erfahren oder herausfinden, ob diese Methode für Sie geeignet ist? In einem unverbindlichen Erstgespräch besprechen wir gemeinsam Ihre Situation und klären, welcher therapeutische Ansatz für Sie am besten geeignet ist.